Was im Hause Wagner am Weihnachtsfest an Speisen auf den Tisch kam, ist nicht überliefert. Eine Anregung für Ihren Speisezettel zu den Feiertagen haben wir in Richard Wagners Mein Leben gefunden:

„Als der Silvesterabend des Jahres 1840 angebrochen war, ward ich in wahrhaft ergreifender Weise durch ein Rendez-vous, welches sie unter sich verabredet hatten, überrascht. Lehrs klingelte und kam mit einer großen Kalbskeule an; Kietz mit Rum, Zucker und Zitrone; Pecht mit einer Gans; Anders aber mit zwei Flaschen Champagner, dem Vorrat entnommen, welchen er dereinst von einem Instrumentenmacher für einen empfehlenden Artikel seiner Klaviere zum Geschenk erhalten hatte und der nun für feierliche Gelegenheiten von ihm verwahrt wurde. Jetzt warf ich denn die schmähliche »Favorite« beiseite und stürzte mich mit wahrhafter Begeisterung in das zu feiernde Freundschaftsfest. Alle mußten für die Zubereitung desselben helfen — zunächst den Salon zu heizen, der Frau in der Küche beizustehen und etwa Fehlendes vom Epicier zu holen. Das Souper verwandelte sich zum dithyrambischen Gelage; als nach dem Champagner noch der Punsch zu wirken begann, hielt ich eine emphatische Rede, die, weil sie die Freunde in unaufhörlichem Lachen unterhielt, nicht enden wollte und mich so hinriß, daß ich, der ich im gesteigerten Pathos mich bereits auf einen Stuhl gestellt hatte, endlich selbst den Tisch bestieg und von da herab das Evangelium der unsinnigsten Lehren der Weltverachtung mit Anpreisung der südamerikanischen Freistaaten meinen entzückten Zuhörern verkündete, welche endlich in lachendes Schluchzen sich verloren und schließlich von uns sämtlich beherbergt werden mußten, da ihr Nachhausegehen unmöglich geworden war.“

Kalb und, oder Gans mögen auch an Weihnachten hervorragend munden. Lassen Sie sich aber nach dem Punsch bitte nicht dazu hinreißen, Stuhl und Tisch zu erklettern. Zum Nachkochen gibt es zwei historische Rezepte aus der Anweisung in der feineren Kochkunst von Johann Rottenhöfer. Das Punsch-Rezept kennen Sie vielleicht schon von Tür 13.

Wer über Kunst, Kultur und Kulinarisches in der Villa Wahnfried mehr wissen und auf den Wagnerschen Spuren kochen  möchte, dem sei das Buch Zu Gast bei Wagner von Daphne Wagner, Tilman Spengler und Barbara Lutterbeck aus dem Jahr 2020 (Collection Rolf Heyne) empfohlen.